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Eine Sekunde der Ewigkeit

14 Agosto, 2009

Version castellana

Es ist kein Geheimnis, dass Bielefeld nicht die interessanteste Stadt Deutschlands ist. Ein drittel Millionen Einwohner in einem dörflichen Ruhemeer, verletzt das Stillschweigen dort das Ohr. Fast eine Kulturwüste, die kaum an der reichsten literarischen Tradition Europas teilgenommen hat, gibt es in Bielefeld kein Wahrzeichen, das in unseren Augen einen guten Eindruck macht, außer der späte-sechzig-Jahre Ungeheuerlichkeit des Campus der Universität Bielefeld, der –ganz funktional wie er sein muss– trotzdem trostlos wie ein Panoptikum ist. Die Universität versucht unermüdlich dieses Schicksal zu verändern, aber es ist als wenn Uni und Stadt von mehr als ein paar Stadtbahnhaltestellen getrennt würden. Manchmal sieht es aus, als ob die Uni leichter die Seite der Zeitungen als die Altmarktplatz erreichen könnte.

Im Heimatland der Brüder Humboldt, wo die Museen der Naturgeschichte Wunderwerke riesiger als ägyptische Pyramiden sind, hat Bielefeld nur das NAMU. Das Natur-Mensch-Umwelt Museum Bielefeld wäre eine Enttäuschung für jemanden, der einen lustigen wissenschaftlichen Nachmittag verbringen will. Die Sammlung ist klein und enthält kein besonderes Objekt, das den Blick auf sich ziehen kann. Aber im Foyer des Museums findet man eine Steininschrift, die es schaffte, meinen Besuch irgendwie bedeutungsvoll zu machen. Gemeißelt in den Stein war ein Gedicht, das die Gebrüder Grimm im Märchen Das Hirtenbüblein unsterblich gemacht haben. Als Kind habe ich das Gedicht in Van Loons Geschichte der Menschheit gelesen. Van Loons Fassung des Gedichtes lautet so,

Im Norden im Land Svithjod, liegt der Diamantberg, der hat eine Meile in die Höhe, eine Meile in die Breite und eine Meile in die Tiefe; dahin kommt alle tausend Jahr ein Vöglein und wetzt sein Schnabel daran, und wenn der ganze Berg abgewetzt ist, dann ist die erste Sekunde von der Ewigkeit vorbei

Die Geschichte Van Loons war ein Meilenstein meines intellektuellen Lebens. Immer noch kann ich mir seine Bilder im Kopf vorstellen, wie der Hügel Trojas, dessen Suche Schliemann seinen Verstand verlieren ließ. Oder die Zeichnung des Todes Hannibals, die den selbstgerichteten Punischen Held mit seinem Helm und seiner unbeschädigten Würde zeigte. Zum ersten Mal lies ich da, dass wir Katholiken auch die bösen Menschen der Geschichte sein könnten (Van Loon war evangelisch und erzählte den Dreißigjährigen Krieg und die Geschichte der Inquisition von einem protestantischen Standpunkt).

Die Entdeckung der Steininschrift im NAMU Museum war wie eine Heimkehr zu meiner Kindheit ohne Fernsehen, einer Zeit, zu der ich mich auf die Welt der Bücher einzulassen begann. Eine Zeit, zu der Alexander der Große und Julius Caesar, Phileas Fogg, Edmund Dantes und Robinson Crusoe, Sinbad der Seefahrer und Sandokan und seine malaiischen Tiger, zusammen mit dem Rattenfänger von Hameln und den Bremer Stadtmusikanten, den flachen Horizont meiner südamerikanischen Grassteppen erweiterten… bis die Ewigkeit.

Die Leistung

27 Mayo, 2009

Zum ersten Mal habe ich auf Deutsch vorgetragen. Das Thema war Sklaverei und Humanität, womit ich mich seit langer Zeit beschäftigt habe. Nach dem Vortrag wurden die Fragen auf Deutsch gestellt, aber ich beantwortete sie auf Englisch, da mein Deutsch noch sehr zu wünschen übriglässt. Ich konnte dem Publikum in die Diskussion einbinden, was mich sehr ermutigt hat. Durch Hennings Hilfe mit der Übersetzung hatte ich viele Erfolge. Ich bin so froh, dass ich allmählich diese verdammte Sprache zu beherrschen begonnen habe. Es liegt noch ein sehr langer Weg vor mir, aber der erste Schritt ist getan worden!